Interview mit Pianistin Clara Klan

Miroslawa Clara Klan ist eine sehr begabte, ehrgeizige Pianistin, die schon früh mit Klavierunterricht begann, welchem sich ein intensiver Werdegang mit abschließendem Diplom als Konzertpianistin und Musikpädagogin an der Instrumentalfakultät im Fachbereich Klavier anschloss – eine besondere Ehre für Music-Town, sie als Klavierlehrerin in unserer hauseigenen Musikschule zu haben.

Ich hatte sie heute zu Besuch und nutzte die Gelegenheit, ihr ein paar Fragen zu stellen.

 

Wie lange spielen Sie schon Klavier und wer oder was hat Sie zur Musik gebracht?

Clara: Ich spiele schon sehr, sehr lange. Manchmal, wenn meine Schüler mich fragen: „Wie lange spielen Sie Klavier, Frau Klan?“, sage ich, „Ich denke, schon gute 47-48 Jahre.“ Und dann stellen sie fest: “Sie spielen länger als meine Mutti oder mein Vati alt ist!?!“. (lacht)

Also zwischen 5 und 6 Jahren habe ich angefangen. Mein Vater war Musiker und hatte Klarinette gespielt und studiert. Aber ich glaube das war nicht der entscheidende Punkt.

In der Stadt, in der ich wohnte, gab es eine sehr gute Musikschule. Dort wurde ich hingeschickt und habe dann Gefallen daran gefunden, Klavier zu spielen. Diese Schule war wirklich einmalig. Da war nicht nur das Klavier, auch ganz viel Theorie, Harmonielehre. Ich musste im Chor singen, ich musste begleiten lernen, ich musste alles. Ein fantastisches System!

 

Wie haben Rira und Sie sich kennengelernt und wie sind Sie bei Music-Town gelandet?

Als ich hierhergekommen bin, habe ich Kontakt mit der Stella-Schule aufgenommen. Daher an dieser Stelle mal ein großes Lob für die unglaubliche, fantastische Frau Panner: Sie haben mich sofort aufgenommen, sodass ich in der Schule unterrichten durfte. Und eines Tages hat Rira dort geklopft, um mich kennenzulernen und so ist diese wundervolle Freundschaft entstanden. Rira hat einfach Power und zeigt Initiative. Sie ist ein unruhiger Geist und das zieht mich mit. Ich finde es fantastisch! Und dann haben wir uns mit Frau Niedzwetzki getroffen und da habe ich mich wirklich sehr gefreut. Ich liebe diesen Platz und diese Leute. Professionell, fantastisch, nett – man fühlt sich richtig, richtig, richtig gut. Ich bin sehr dankbar, dass ich das hier machen kann.

 

Schreiben Sie auch eigene Klavierstücke?

Noch nicht. Ich glaube, wie jeder Pianist, setze ich mich manchmal abends an das Klavier und improvisiere und spiele für mich. Sie haben Recht – ich habe nie wirklich daran gedacht, etwas daraus zu machen. Das habe ich nur für mich persönlich, für meine Seele getan. Aber Sie bringen mich da auf einen wirklich sehr tollen Gedanken. Manchmal hätte ich wirklich Lust eine Klavierschule zu schreiben. Darüber werde ich mal mit Rira sprechen.

 

Haben Sie viele Auftritte?

Also langsam kommt wieder alles in Fahrt und es passiert viel mehr. Im Herbst kommt viel auf mich zu. Da habe ich ein Konzert in Hamburg. Dann stehen 3 wundervolle Konzerte in Polen an, die meine alte Freundin organisiert. Es ist beinahe mehr, als ich bewältigen kann, sodass ich am Wochenende schon Schuldgefühle bekomme, wenn ich zu wenig Fingerübungen gemacht habe. Aber es passiert etwas.

 

Was war ihr schönster bzw. schlimmster Auftritt?

Wenn ich so nachdenke, war der schönste Auftritt in Polen. Da war ich im Gymnasium in Posen.

Ein sehr, sehr schönes Konzert. Der Saal war voll. Das Publikum war wunderbar und meine Eltern waren auch dabei. Die Emotionen, die ich damals erlebt habe, sind bis heute noch da. Kein Konzert kam diesem so nah.

Nein, schlimme Auftritte hatte ich nicht. Ich glaube, mit der Erfahrung und der Zeit, lernt man, solche Situationen zu bewältigen. Ich habe sehr viel Kammermusik gespielt und man lernt ganz einfach schnell zu reagieren. Jeder von uns hat ein bisschen Fantasie, sodass man etwas improvisieren kann. Trotzdem habe ich auch immer noch Lampenfieber. Aber man braucht das auch. Ohne Lampenfieber ist es einfach nicht das Selbe.

 

Was ist Ihr musikalisches Ziel bzw. würden Sie sagen, dass Sie Ihr Ziel schon erreicht haben?

Da ich momentan sehr aktiv im pädagogischen Bereich tätig bin, ist es meine Priorität, dass die Kinder Spaß am Musizieren haben. Dass sie es nicht als ein 5-minütiges Hobby betrachten. Das ist nämlich oft der Fall. Heutzutage fehlt den Kindern Ausdauer. Und sobald sie sich etwas anstrengen müssen, verlieren sie an Motivation. Das ist schade und stellt eine große Herausforderung dar – nicht etwa ihnen etwas beizubringen oder die Haltung der Hand oder einfach musizieren – das ist Spaß! Zu erreichen, dass sie Geduld und Ausdauer haben, erfordert ein bisschen mehr. Das ist eigentlich mein Ziel.

 

Arbeiten Sie lieber mit Kindern oder mit Erwachsenen zusammen?

Eigentlich mache ich keine großen Unterschiede. Es ist von der Persönlichkeit abhängig. Bei Kindern, keine Frage – das ist ein unbeschriebenes Blatt. Ich weiß also, was ich ihnen zeige, das wird am Ende auch so sein, aber somit habe ich auch eine sehr große Verantwortung. Bei Erwachsenen habe ich oft Leute, die schon gespielt haben – die bringen schon etwas mit. Da ist es manchmal nicht einfach, festzustellen, wo man anknüpfen sollte. Noch einmal von vorne? Dann fühlen sie sich unterfordert – die Erwartungen sind einfach anders. Da ist es mit Kindern manchmal leichter. Aber bis jetzt hatte ich noch nie Probleme.

 

Haben Sie ein Stück, welches Sie am liebsten spielen?

Ja und zwar ist das ein sehr, sehr altes Stück von dem polnischen Komponisten und Pianisten Ignacy Jan Paderewski, die „Krakowiak Fantastik“. Das Stück ist unbekannt aber ich habe trotzdem eine große Verbindung dazu. In regelmäßigen Abständen komme ich wieder darauf zurück und entdecke immer neue Sachen und ich glaube, wenn ich irgendwo auf einer einsamen Insel gewesen wäre – das Stück würde dabei sein.

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