Loreley – Night of the Prog Festival 2018

Tag 1.:

Knapp 9 Stunden jagte es uns im dichten Verkehr über die Autobahnen Deutschlands bis wir endlich den kleinen Ort Kamp-Bornhofen bei St. Goarshausen erreichten. Wir checkten im Hotel ein, trugen unser Gepäck hoch und verschnauften 10 Minuten, ehe wir uns nochmal einen Tropfen Wasser ins Gesicht schmissen und abermals ins Auto stiegen, um zur 10 km entfernten Festival-Location zu fahren. Der Weg führte direkt am Rhein entlang, über welchen sich in regelmäßigen Abständen massive Frachtschiffe schoben. Links und rechts des Rheins ragten gewaltige, grün bewachsene Berge hunderte Meter weit über unsere Köpfe hinaus und ließen bei erstmaliger Begrüßung ihren leicht einschüchternden Charme spielen, entpuppten sich bei längerem Aufenthalt jedoch als ruhige, von wilder, herrlicher Natur und saftigem Wein beschmückte Riesen, die die kleine Stadt mit einem Schutzwall umlegen und so manch kleinen Besucher hoch hinaus tragen und ihm einen atemberaubenden Ausblick verschaffen.

Die Loreley Freilichtbühne war hoch oben auf einem dieser Riesen platziert. Hochgradig eindrucksvoll. Als wir das Festivalgelände betraten, war ANTIMATTER gerade mitten im Spiel – viel haben wir davon jedoch nicht mitbekommen, da wir nun doch erst einmal „ankommen“ wollten und uns auf diesem riesigen Gelände umsahen. Unzählige Gleichgesinnte lagen, saßen, standen, überall. Man stolperte mit den Augen von einem Bandshirt zum nächsten und fühlte sich einfach nur pudelwohl.

Nachdem wir meinen Onkel und meine Tante in dem Getümmel gefunden und begrüßt hatten und ein kühles Getränk in unserer Hand lag, gesellten wir uns nun auch an die Bühne. Jetzt war THRESHOLD an der Reihe – eine Band aus England, dessen Aufnahmen in unserer Familie schon oft den Weg in den CD-Player fanden und auf die ich besonders gespannt war. Da ich allerdings nur ein Album von ihnen kannte, welches zwar sehr geil ist aber schon etliche Jahre alt, wunderte es mich nicht, dass sich meine Erwartungen nicht erfüllten. Wie viele andere Bands, schien es mir als seien auch THRESHOLD auf die „seichte Seite“ gewechselt. Nicht weiter schlimm, klang trotzdem schön und wir hatten ja noch genügend andere Bands vor uns.

 

Hiernach kamen RIVERSIDE. Eine Band von der ich schon so viel gehört habe – nur keine Musik. Aufgrund des großen Schlafmangels, der aus einer viel zu frühen Abfahrtzeit (6 Uhr) von Zuhause resultierte, zog es meinen Papa und mich beinahe zu Boden und wir sehnten uns nach einer waagerechten Haltung. So entschieden wir uns, uns noch für eine Weile ins Auto zu legen und die Augen zuzumachen – mit offenen Türen, um dennoch ein klein wenig von der Musik und dem Festivalfeeling mitzubekommen. Innerhalb weniger Minuten waren wir beide eingeschlafen – in den Schlaf gewogen von meditativen, atmosphärischen Klängen des Riverside-Intros.

Da mein Vater RIVERSIDE schon des Öfteren in Konzerten gesehen hat und jedesmal nicht allzu überwältigt war, dachten wir, es wäre kein zu großer Verlust, diese Band nicht live mitzuerleben. Doch weit gefehlt. Der Schlaf tat zwar ordentlich gut und hat sich ebenfalls als einzigartiges Erlebnis in meinen Kopf gebrannt, jedoch haben sich die zwischenzeitlich in meine schlafenden Ohren dringenden Klänge als wirklich sehr interessant und erlebenswert entpuppt. Auch Papa wachte mit den Worten auf, dass er sich wohl sehr getäuscht und das Konzert doch ganz gern hautnah erlebt hätte. Nichtsdestotrotz brauchten wir dieses kleine Päuschen, denn in einer halben Stunde würde BIG BIG TRAIN die Bühne erobern. Eine 8-Köpfige Band aus Großbritannien mit Ex-Frontmann Rikard Sjöblom von BEARDFISH – einer herrlichen schwedischen Prog Band. BIG BIG TRAIN brachte die Massen zum Jubeln und überzeugte mit ihrer Einzigartigkeit. Nach tobendem Applaus, zwei Zugabe-Songs und verschenkten Drumsticks sowie Setlists, ging es für uns zurück ins Hotel – endlich schlafen.

 

Tag 2.:

Nachdem wir im Hotel mit einem reizvollen Frühstück geweckt wurden, ging es gegen 13 Uhr schonwieder in Richtung Festival. Erst noch ein paar Flaschen edlen Weins von einem lokalen Winzer erworben und schon ging es wieder die Serpentinen hinauf, bis uns das Weiß der riesigen Bühne durch die Baumwipfel entgegen sprang.

Um 13.30 Uhr begann GUNGFLY – eigentlich ein Soloprojekt welches ebenfalls von Multi-Instrumentalisten Rikard Sjöblom ins Leben gerufen wurde – hier jedoch besetzt mit Gastmusikern (u.a. der Gitarrist von BEARDFISH David Zackrisson). Wie wir erwartet hatten, wurde es ein Konzert der Extraklasse. Rikard verzauberte mit seiner markanten Stimme, die ab und an in ein Energie-geladenes, Gänsehaut-erregendes Schreien mutierte. Komplexe, hippelige, eingängige Melodien gespickt mit persönlichen Lyrics und sympathischen, powervollen Musikern. Mein persönliches Highlight!

 

Sehr gespannt waren wir ebenfalls auf LONG DISTANCE CALLING – einer Band aus Münster. Sehr powervoll, instrumental, 4 schwarz gekleidete Herren, atmosphärischer Sound – hat mir gefallen – für die Spielzeit von 2 Stunden auf einem Livekonzert jedoch vielleicht zu unabwechslungsreich. Auf CD kann man sich das aber auf jedenfall antun. Schöne Musik!

THE SEA WITHIN startete um 21 Uhr. Besetzt mit lauter bekannten Musikern wie Pete Trewavas (Marillion), Marco Minnemann (The Aristocrats), Roine Stolt (Flower Kings) und Casey McPherson (Flying Colours), wurde dies zum Auftritt der Legenden und weckte so manch sentimentales Gefühl. Gerade durch die charakteristisch angeschlagenen Töne durch den sympathischen Schweden und Gitarristen Roine Stolt, die mir schon in der Kindheit zu Hauf zu Ohren kamen, wurde dieses Konzert zu einem ganz besonderen und stellte für mich wohl den Abschluss dieses tollen Festivals dar.

Zum Schluss spielte CAMEL, deren Auftritt wir nutzten, um die beiden Tage noch einmal Revue passieren zu lassen, uns mit ein paar Bekannten zu unterhalten, ein Bierchen zu schlürfen und die Merchandise-Stände noch einmal abzuklappern. Noch ein Mitbringsel für Mama und Freund ergattern.

Zu guter Letzt erhaschte ich noch einen kurzen Augenblick mit Rikard, der sich ebenfalls gerade auf dem Festivalgelände herumtrieb, bat ihn um ein Autogramm auf meinem jüngst erworbenen Shirt seiner Band und bekam als Gegenfrage, „wie es denn musikalisch bei MIR so läuft“…Wenn das mal nicht aufmerksam ist! Ich bin überwältigt.

Fotos: Bodo Kubatzki

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