Interview mit The Travelin’ Band

Ich hatte das Vergnügen, mich mit den Herren von „The Travelin´Band“ zusammenzusetzen und mir ein paar Fragen von ihnen beantworten zu lassen. Starten wir also gleich mit der ersten Frage:

Wie lange macht ihr schon Musik zusammen und was  verbindet (neben der Musik) die Musiker der Band?

The Travelin`Band (TTB) wurde 1996 gegründet, ausschließlich von ehemaligen DDR Musikern, welche aber schon viel länger miteinander zu tun hatten. Das geht teilweise zurück bis in die 70er Jahre, unserer Schulzeit. Die Urbesetzung bestand aus Micha Kawa (voc), Hubi Meyer (b), Bernd Schubert (dr) und mir, Wolle Densky (g).
So habe ich 1970 mit Schubi (Bernd Schubert) schon in verschiedenen Schulbands zusammen musiziert, später ab 1987 mit Hubi und Micha bei BABYLON. Unsere Wege trennten sich zeitweise. Schubi war in den 80ern bei der Jonathan Bluesband, ich Ende der 70er bei Joco Dev, aus der dann 1980 die wohl bekannteste ostdeutsche Heavy Metal Band FORMEL 1 entstand. Wir sind also alle sehr erfahrene Musiker mit professionellem Hintergrund.

Was hat sich nach der Wende für euch verändert?

Nach der Wende haben erstmal alle aufgehört Musik zu machen. Die alten Strukturen der ostdeutschen Musikszene waren faktisch von einem auf den anderen Tag zusammengebrochen. Inzwischen hatten wir (bis auf Micha) Berufs-Status, das heißt jeder hatte seinen Hochschulabschluss in der Tasche und war somit Berufsmusiker. Wir konnten von den teils staatlichen, teils betrieblichen aber auch privaten Veranstaltern gut leben weil Jugendkultur in der DDR über Kulturfonds oder betriebliche Mittel gefördert wurde. Jeder größere Betrieb hatte ein eigenes Kulturhaus und auch die finanziellen Mittel dazu, die wöchentlich auftretenden Künstler nach ihren Einstufungen zu bezahlen. Das alles war nun weg. Jeder machte irgendwelche Jobs um sich sein Überleben zu sichern.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen diese Band zu gründen und welche musikalischen Einflüsse habt ihr?

Natürlich konnten wir nicht alles, was wir über viele Jahre in unsere Ausbildung gesteckt hatten und auch die Erfahrungen aus  zahlreichen Auftritten einfach so über Bord werfen.
So haben wir uns 1994/95 in der o.g. Besetzung wiedergetroffen, nicht um eine Band zu gründen, sondern um nach einigen Jahren musikalischer Abstinenz wieder „nur so aus Spaß“ unserem alten Beruf als Hobby zu frönen.
Das geschah in der Garage eines Freundes aus alten Zeiten, der inzwischen ein Haus gebaut hatte. Wir trafen uns wöchentlich, coverten die Songs unserer alten Helden von AC DC, über die Rolling Stones bis Led Zeppelin, all die Musiker, welche uns in der Vergangenheit inspirierten und uns überhaupt dazu brachten Musik zu machen. Bis heute spielen wir ihre Songs. Wichtig ist uns dabei, deren Titel nicht einfach nachzuspielen, sondern sie in unserem ganz eigenen Stil zu interpretieren. Das unterscheidet uns auch von vielen heutigen Coverbands, die versuchen mit aller Macht die Rollen ihrer Vorbilder nicht nur musikalisch, sondern auch optisch in Kleidung und Gestik nachzuspielen. Da gerät schnell mal ein mit Schulranzen und leuchtenden Teufelshörnern über die Bühne hüpfender „Angus Young“ zur Karikatur wenn er 1,90m groß ist J
Es war eigentlich zu diesem Zeitpunkt nicht geplant wieder aufzutreten. Wir spielten unsere Garagen-Konzerte, saßen im Garten bei Steak und Frischbier und philosophierten am Lagerfeuer über die alten und neuen Zeiten, bis…
…bis dann irgend jemand auf die Idee kam, das Ganze vielleicht doch wieder auf die öffentlichen Bühnen zu bringen…

Seht ihr euch als Hobby- oder als professionelle Band?

Das ist nicht so einfach zu beantworten. Wir können vom Musizieren heute nicht mehr unseren Lebensunterhalt erwirtschaften, sind auf Einnahmen aus anderen Tätigkeiten angewiesen. So gesehen sind wir keine Profis mehr. Der Beruf ist zum Hobby mutiert.
Andererseits sind wir nach wie vor top ausgebildete Musiker mit jahrelanger live-Erfahrung auf großen und kleinen Bühnen, waren im Radio und  TV präsent, haben in verschiedenen Studios unsere eigenen Songs produziert. Ich würde schon sagen, dass wir (so gesehen) natürlich professionelle Musiker sind, was sich selbstverständlich auch bei unseren heutigen Auftritten wiederspiegelt, es geht da sehr professionell zu.

Habt ihr auch eigene Songs?

Es macht für uns nicht mehr allzu viel Sinn, mit eigenen Songs die Türklinken von heutigen Musik-Produzenten zu putzen um eine Karriere anzustreben. Wir kennen das Musikgeschäft gut genug um zu wissen, dass es besonders im Bereich Rockmusik in Deutschland wirklich sehr schwer ist einen Fuß auf die Erde zu bekommen. Da muss man schon etwas sehr Außergewöhnliches auf die Bühne bringen. Das gelingt ja auch nur sehr wenigen, wie z.B. Rammstein. In Deutschland als Hardrocker erfolgreich zu sein geht meist nur über den Umweg USA, so wie damals bei den Scorpions, die in Deutschland erst ihre Erfolge feiern konnten nachdem sie in den Staaten für großes Aufsehen gesorgt haben und dort in der Lage waren als deutsche Hardrockband die Stadien zu füllen. Deutschland ist leider kein Rockland. Die Chance über diesen Weg eine deutsche Größe zu werden ist viel zu gering, diesen Weg haben wir von vorn herein ausgeschlossen.

Welches war euer bester und welches euer schlechtester Auftritt:

Oooooh nein, es gibt eigentlich keine schlechten Auftritte. Natürlich ist man nicht immer in der besten Form, aber bei jedem Konzert, bei jeder Veranstaltung wird trotzdem optimal geliefert, das Publikum ist König.
Es gibt aber Backstage sehr unterschiedliche Bedingungen bei den verschiedenen Veranstaltungen. Manchmal hat man nicht einmal eine Garderobe und darf sich Open Air an der Heckklappe des Autos hinter der Bühne, oder Indoor auf der Gäste-Toilette umziehen, erhält drei Biermarken und eine TK-Pizza als Catering und spielt in 7 Sets von 20:00 bis 03:00 zu ebener Erde, einer einzelnen Steckdose und muss noch die eigene PA mitbringen, oft z. B. Kneipennächte.
Und ein anderes Mal gibt es in einer sauberen Garderobe mit Dusche und WC ein 1A Catering mit warmen und kaltem Buffet, Getränke ohne Begrenzung und einem Mitarbeiter vom Veranstalter der in der Spiel-Pause zu uns kommt und nach unserem Befinden fragt. Die große Bühne wird von einer professionellen Beschallungsfirma technisch betreut und wir spielen 2 x 50 min Konzert + Zugabe, z. B. Stadtfeste. Wir erleben beides ständig. Man kann sagen, je preiswerter man sich als Band verkauft, desto billiger wird man auch behandelt…

Hattet ihr schon Auftritte im Ausland?

Ja, in der Schweiz und Österreich

Wann findet euer nächster Auftritt statt?

25.11.2017 in Plauen in der Ranch

Was ist euer nächstes musikalisches Ziel?

Unser jetziger Sänger hört zum Jahresende auf. Unser nächstes musikalisches Ziel ist die Erarbeitung eines neuen Programmes, zugeschnitten auf unseren neuen Sänger, der uns ab 2018 seine Stimme geben wird.

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